Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Dezember 27, 2016

Hallo ihr Lieben,

ich bin so glücklich und möchte mit euch das schönste Weihnachtsgeschenk teilen, das ich jemals bekommen habe. Und wie es sich für ein solches Geschenk gehört, ist es immateriell und absolut unerwartet gewesen. Aber lasst mich von vorne anfangen: Meine Mama heißt Tam und ist heute 55 Jahre alt. Sie hat drei Kinder großgezogen, in einem Land dessen Sprache sie bis heute nicht sehr mächtig ist. Ich mache keine Witze, fragt unsere Stammkunden, haha. Sie hat seit 14 Jahren mit unserem Papa ein Restaurant in unserem beschaulichen Dörfchen Bad Bodenteich in Niedersachsen. Für dieses Restaurant arbeiten sie beide jeden Tag 12 bis 14 Stunden pro Tag – jeden verdammten Tag. An ihrem Ruhetag macht Papa die Buchhaltung und sie geht einkaufen und schmeißt mal eben den Haushalt zuhause. Einer unserer Stammgäste sagte mal zu mir: „Ihre Mutter ist eine sehr eigenartige Frau.“ Ich hielt es für ein nett gemeintes, aber im Adjektiv vergriffenes Kompliment. Bis er meinte: „Immer wenn ich ins Lokal komme, guckt sie so, als ob sie mich gleich umbringen will.“ Hupps, Kundenbindung mal anders? Aber Papas Essen scheint Mamas auf den ersten Blick mangelnde Kundeorientierung ja sehr gut zu kompensieren. Zumindest hoffe ich das…

Zurück zum Thema: Ihr glaubt es kaum, aber diese taffe & sonst so ernste Frau hat mich doch tatsächlich nach der Bescherung an Heiligabend im Halbernst/Halbwitz gefragt, ob ich sie nicht mal fliegen lassen wolle. Die Frau, die mich das letzte halbe Jahr für meine sehr sonderbare Form von Yoga belächelt hat. Die Frau, die mich jedes Mal, nach dem Upload eines neuen coolen AcroYoga Schnappschusses, ermahnte vorsichtig zu sein bei diesem „AcroYoga“. (Ok, ich gebe zu, bei ihr klingt es eher so: „acr…sogaaaaaaa“.) Ich konnte es kaum fassen, meine Mami wollte AcroYoga machen! Aber klar, wollte ich sie fliegen lassen! Wir haben fix mein Weihnachtsgeschenk ausgelegt. (Ich habe mir zwei 1×1 Meter Sportmatten von der Marke Kwon zum AcroYoga üben zu Weihnachten gewünscht. Leider sind sie zur hart, aber das ist eine andere Story.) Kaum waren die Matten ausgelegt, flog meine Mami schon auf mir. Nach kurzem Einfinden, hat sie auch direkt ihren ersten freihändigen Bird hinbekommen. Und schwupps, haben wir auch die erste Washing Machine durch gehabt. Meine Schwestern haben große Augen gemacht. Die eine wurde von Mama zum Fotos machen abkommandiert. So viel zum Thema Sicherheit, liebe Mama…

Nach der erfolgreichen Washing Machine wurde sie übermütig und wollte „diese eine Figur machen, wo ich auf Max’ Oberschenkeln stehe und mein Fuß hinter seinen Kopf klemme“. Achso, die Flagge. Puh, die ist schwer, aber wir können sie mal anfangen zu üben. Man muss dazu sagen, mein Vietnamesisch ist auf Kindergartenniveau stehen geblieben und ihr Deutsch ist grottig. Also haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen verständigt. Als sie das erste Mal auf meine Oberschenkel gestiegen ist, hatte ich aber weder freie Hände noch freie Füße, um ihr zu erklären, wie es weitergeht. Zudem wusste ich das Wort für „Planke halten“ nicht auf Vietnamesisch, was es etwas schwierig gemacht hat, sie zu halten. So ist sie also direkt beim ersten Versuch auf ihren Po geplumpst wie ein nasser Sack. Aber anstatt sich zu erschrecken, hat sie einfach laut losgelacht. Ein echtes, ehrliches, lautes Lachen, aus vollem Halse. Meine Schwestern und ich musste bei ihrem Anblick einfach laut mitlachen. Wir sind uns alle drei einig: Wir haben unsere Mama noch NIE so glücklich gesehen. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich jemals bekommen habe. Allein dafür haben sich all die Stunden AcroYoga üben schon gelohnt. Schaut euch an wie glücklich sie ist.

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Ich werde oft gefragt, warum ich dieses komische „Aggroyoga“ mache, was mir das bringt, was es mit mir macht? Das macht es! Ist es nicht schön?

Bis bald.
Eure Mai1

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